Von Onkel Loco, 28. Februar 2007, 07:30 Uhr

Andreas Hoppert - Zug um Zug»>Ist es das, was Sie unter einem perfekten Mord verstehen?< fragte Marc. >Wenn dafür niemand zur Verantwortung gezogen werden kann?<
>Natürlich, oder haben Sie eine bessere Definition?<
>Allerdings<, erwiderte Marc. >Ein perfekter Mord ist ein Mord, der gar nicht erst entdeckt wird.<
Von Neuendorff schüttelte bestimmt den Kopf. >Nein, nein<, sagte er dann. >Ein Mord, der nicht entdeckt wird, ist überhaupt kein richtiger Mord. Ein Mord kann nur dann perfekt sein, wenn er auch als solcher wahrgenommen und gewürdigt wird. Wenn jeder weiß, was geschehen ist, aber man dem Täter nichts anhaben kann. Das ist es, was ich unter einem wahrhaft perfekten Mord verstehe.< «

Was haben wir denn hier? Einen deutschen Gerichtsthriller. Schön! Man muss also nichtmehr unbedingt Grisham lesen, es darf auch Andreas Hoppert sein. Sagt der Verlag jedenfalls. Ist das aber tatsächlich so? Diese Frage kann ich mit einem klaren Jein beantworten.
Ohne Frage – der Roman ist nicht schlecht, auch wenn man vom ersten Kapitel an das Gefühl hat, man wüsste, wohin die Reise geht. Aber gerade das macht den Thriller hier so spannend. Ist Hasso von Neuendorff tatsächlich der Mörder? Ist das alles nur ein Schachspiel für den Angeklagten?
Während die Anwälte versuchen, die Schuld ihres Mandanten in Zweifel zu ziehen, passiert auf Seiten des Lesers das genaue Gegenteil – die Zweifel an der Unschuld von Neuendorffs wachsen.
Und so liest man sich immer schneller von Seite zu Seite, nur um endlich bis zur Urteilsverkündung vorzudringen und dann ist sie da: die Urteilsverkündung. Und genau hier liegt für mich die Schwäche des Romans. Zunächst passiert, was man erwartet, aber die Urteilsverkündung ist ja noch nicht das Ende. Und genau dieses Ende wirkt auf mich etwas konstruiert. Ihr werdet beim Lesen schon merken, was ich meine. Das Ende selbst möchte ich hier nämlich lieber nicht verraten.

Fazit: Gutes Buch mit einem etwas schwachen Ende. Lesenswert ist es trotzdem – meine Grishams würde ich für diesen Roman aber nicht ins Altpapier geben.

Sonstige Infos:
Broschiert: 352 Seiten
Verlag: Grafit; Auflage: 2., Aufl. (Februar 2006)
ISBN-10: 3-89425-315-0
ISBN-13: 978-3-89425-315-8
Bibliothek-Link: Zug um Zug

P.S.: Und schon wieder ein Grafit-Roman, der mir gefallen hat. Bisher liegt die Quote von lesenswerten Büchern dieses Verlags aus meiner Sicht also noch bei 100%. Respekt. Mal sehen, ob sich in den nächsten Wochen was daran ändert – ich hab ja noch ein paar ungelesene Grafit-Romane im Regal…

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