Von Onkel Loco, 12. März 2007, 13:44 Uhr

»Die Eiskappe des Vatnajökull auf Island schmilzt. Die Streitkräfte der US-Basis Keflav¡k sind in Alarmbereitschaft, denn der Gletscher hütet ein Geheimnis: Ein abgestürztes Flugzeug aus dem Zweiten Weltkrieg mit brisanter Fracht. Vor der grandiosen Kulisse des ewigen Eises gerät eine junge Isländerin in Lebensgefahr. Sie weiß nur wenig, aber das ist schon zu viel für die Drahtzieher der Operation Napoleon …«

Was war ich gespannt! Bislang fand ich alle Romane und Hörbücher von Arnaldur Indridason einfach hervorragend – allerdings hatte ich bisher auch nur Erlendur-Romane gelesen und diese auch als Hörbuch gehört. Dieses Hörbuch kommt hingegen ohne Erlendur aus und das macht das Hörbuch nicht unbedingt besser.

Die Hauptperson der Geschichte ist eine junge Isländerin namens Kristin, die mehr oder minder zufällig in einen Wettlauf mit einem amerikanischen Geheimdienst gerät, der so unglaublich geheim ist, dass er vermutlich selbst nichts von seiner eigenen Existenz weiss. Jedenfalls hatte ich zuweilen diesen Eindruck.

Genauso hatte ich den Verdacht, Kristin schon zu kennen. Und zwar aus dem Fernsehen. Aus Horrorfilmen, um genau zu sein. Kristin ist nämlich die junge Frau, die sich in Horrorfilmen immer dafür entscheidet, den offensichtlich gefährlichsten Weg zu wählen…
»Warum, um Himmels willen, macht die das?« Das fragt man sich quasi von der ersten Minute des Hörbuchs an. Eine Antwort darauf erhält man allerdings bis zum Ende nicht. Sehr schade.

Wenden wir uns aber erfreulicheren Dingen zu. Der Idee hinter der Story und der hervorragenden Leistung Ulrich Pleitgens als Leser nämlich.
Mir persönlich gefällt die Idee, die USA könnten noch Leichen aus der Zeit des zweiten Weltkriegs im Keller haben. Das scheint mir plausibel und nicht im Geringsten abwegig. Warum sollte im zweiten Weltkrieg kein Flugzeug auf diesem Gletscher abgestürzt sein und warum sollten heutige Geheimdienste kein Interesse daran haben, die Vergangenheit so tief wie nur möglich zu begraben? Wie gesagt, die Idee gefällt. Daraus lässt sich ein spannender Thriller machen.
Und wer könnte so einen spannenden Thriller besser vortragen, als Ulrich Pleitgen? Richtig. Das sind nicht viele. Lübbe jedenfalls hat sich für Pleitgen entschieden und konnte damit nicht falsch liegen. Für meinen Geschmack war das mal wieder eine hervorragende Leistung. Hut ab!

Wie sieht also das Fazit aus? So wie ich es sehe, haben wir hier einen sehr gut vorgetragenen Thriller, der zwar auf einer wirklich guten Idee aufbaut, die inhaltliche Umsetzung aber etwas verstolpert. Trotzdem möchte ich das Hörbuch an dieser Stelle empfehlen – ich finde das Ende nämlich super!

Sonstige Infos:
Gekürzte Romanfassung
4 Audio CDs
Spielzeit 271 Minuten
Verlag: Lübbe; Auflage: 1 (September 2006)



Von Onkel Loco, 7. März 2007, 11:04 Uhr

»Alex Cross ist wieder im Einsatz! Ein Mörderpaar hat es auf Prominente in Washington abgesehen. Am Tatort finden sich gereimte Botschaften, in denen weitere Morde angekündigt werden. Gleichzeitig werden Kinder erschlagen aufgefunden, und das ganz in der Nähe der Schule, die der Sohn des Ermittlers Cross besucht…«

Vielen Dank an Ulrich Pleitgen. Er hat es (mal wieder) geschafft. Er hat es geschafft, ein eher mittelprächtiges Werk so vorzutragen, dass das Hörbuch spannender daherkommt, als die Romanvorlage. Die Produktionsqualität kann übrigens (ganz Luebbe-typisch) mit der Sprecherqualität mithalten; wir haben hier also auch technisch ein wirklich gutes Hörbuch.

Fehlt noch der Inhalt. Und in dieser Disziplin kann »Sonne, Mord und Sterne« leider nicht völlig überzeugen. Zum Einen (und das ist das kleinere Übel) kommt mir Alex Cross selber immer wieder wie eine Art »Übermensch« vor, dem es fast völlig an menschlichen Schwächen fehlt und der daher zuweilen etwas eindimensional wirkt. Zum Anderen häufen sich für meinen Geschmack die Ungereimtheiten in diesem Werk doch ein wenig. Warum »leitet« ein Detective der Washingtoner Mordkommission die Ermittlungen in einem Fall, mit dem auch das FBI und die CIA betraut sind? Warum ist Alex Cross der Einzige, der die Ermittlungen voranbringt? Warum sind – bis auf Alex Cross – alle Figuren dieser Geschichte faktisch absolut inkompetent?
Ich frage mich ernsthaft, wie James Patterson es schafft, die Geschichte trotz weniger wirklicher Überraschungen doch noch so spannend zu gestalten…

Fazit: Auch wenn das Ausgangsmaterial seine Schwächen hat, lohnt sich das Hörbuch doch. Das ist zum größten Teil der Sprecherleistung Ulrich Pleitgens zu verdanken, der langsam zu meinem Lieblingssprecher wird. Also: wenn man ein Hörbuch »für Zwischendurch« sucht, kann man getrost zu diesem Patterson greifen – wenn man auf der Suche nach dem perfekten Thriller ist, sollte man die Finger von »Sonne, Mord und Sterne« lassen.

Sonstige Infos:
Gekürzte Romanfassung
5 Audio CDs
Spielzeit 308 Minuten
Verlag: Lübbe (Juni 2001)



Von Onkel Loco, 5. März 2007, 10:16 Uhr

Neuer Roman von Frank Schätzing: »Die dunkle Seite«

Erschienen bei Goldmann im Februar 2007, Broschiert: 411 Seiten
ISBN-10: 3-44245-879-X | ISBN-13: 978-3-44245-879-0
Zum Inhalt:

Köln 1999: Ein scheinbar harmloser Geschäftsmann fällt einem grausamen Verbrechen zum Opfer. Die Tat eines Verrückten? Vera Gemini, Kölner Detektivin, die wider Willen in den Fall hineingezogen wird, erkennt schon bald die perfide Logik hinter der angeblichen Wahnsinnstat. Die Spur führt zurück ins Jahr 1991, in die letzten Tage des Golfkriegs und zu einem Geheimnis in der kuwaitischen Wüste – begraben, aber nicht vergessen …

Da kann man ja schon mal gespannt sein…

Stephen Kings Sohn schreibt Thriller

Joe Hill, der Sohn von Stephen King hat seinen ersten Thriller veröffentlicht. »Blind« heißt das Werk und wird von Stephen King als »ein Arschtritt von einem Buch« beschrieben.
mehr dazu bei Welt Online


John Katzenbachs »Der Patient« jetzt auch als Hörbuch

Das Set besteht aus 6 CDs und ist bei Argon erschienen. Mit einer Spielzeit von 424 Minuten (also ca. 7 Stunden!) sollte das Hörbuch für einen langen, verregneten Sonntag durchaus genügen.


Da Vinci Code - Sakrileg 468x60

Von Onkel Loco, 1. März 2007, 11:01 Uhr

Die Dr3i - Das Haus der 1000 Rätsel»Als Jupiter, Peter und Bob den Auftrag erhalten, einem alternden Filmstar bei der Klärung eines mysteriösen Vorfalls zu helfen, ahnen sie noch nicht, welch absurde Ereignisse sie erwarten. In einem abgelegenen Luxushotel stoßen sie auf die Spur eines geheimnisvollen Unbekannten, der sie mit einer Reihe tückischer Rätsel an den Rand der Verzweiflung treibt. Nichts ist so, wie es zu sein scheint. Als sich die Drei im unheimlichen Kellergewölbe des Hotels schließlich am Ziel wähnen, erweist sich das Royal Mountain Residence endgültig als Haus der 1.000 Rätsel…«

Was soll das? Das habe ich mich schon während des Hörens gefragt. Das ist wirklich die langweiligste Folge der drei Detektive, die ich jemals gehört habe. Okay, die Folge ist nicht so nervig wie “Das Hexenhandy” aus der Zeit, als die Jungs noch »die drei Fragezeichen« hiessen, aber empfehlen kann man diese Folge nun wirklich nicht.

Die müde Story plätschert so vor sich hin – Spannungsspitzen sucht man vergeblich. Alles wirkt irgendwie konstruiert und albern.
Geradezu bezeichnend für die gesamte Geschichte ist es, dass sich der »Höhepunkt« der Geschichte in einem Keller abspielt. Dieser Keller muss zu diesem Zeitpunkt ziemlich überfüllt sein: drei Detektive, ein Auftraggeber, ein Bösewicht und der Spannungsbogen…

Zumindest ist die Produktionsqualität wie immer sehr gut. Die Sprecher sind – wie immer – hervorragend, die Sounds sind – wie in den meisten Folgen – stimmig. Das Fazit lautet also: Flache Story auf technisch hohem Niveau. Für Leute, die sich das Anhören trotz allem nicht verkneifen wollen, empfehle ich einen Ausflug in die nächste Stadtbibliothek – das spart Geld.

Eragon 468 x 60

Von Onkel Loco, 28. Februar 2007, 07:30 Uhr

Andreas Hoppert - Zug um Zug»>Ist es das, was Sie unter einem perfekten Mord verstehen?< fragte Marc. >Wenn dafür niemand zur Verantwortung gezogen werden kann?<
>Natürlich, oder haben Sie eine bessere Definition?<
>Allerdings<, erwiderte Marc. >Ein perfekter Mord ist ein Mord, der gar nicht erst entdeckt wird.<
Von Neuendorff schüttelte bestimmt den Kopf. >Nein, nein<, sagte er dann. >Ein Mord, der nicht entdeckt wird, ist überhaupt kein richtiger Mord. Ein Mord kann nur dann perfekt sein, wenn er auch als solcher wahrgenommen und gewürdigt wird. Wenn jeder weiß, was geschehen ist, aber man dem Täter nichts anhaben kann. Das ist es, was ich unter einem wahrhaft perfekten Mord verstehe.< «

Was haben wir denn hier? Einen deutschen Gerichtsthriller. Schön! Man muss also nichtmehr unbedingt Grisham lesen, es darf auch Andreas Hoppert sein. Sagt der Verlag jedenfalls. Ist das aber tatsächlich so? Diese Frage kann ich mit einem klaren Jein beantworten.
Ohne Frage – der Roman ist nicht schlecht, auch wenn man vom ersten Kapitel an das Gefühl hat, man wüsste, wohin die Reise geht. Aber gerade das macht den Thriller hier so spannend. Ist Hasso von Neuendorff tatsächlich der Mörder? Ist das alles nur ein Schachspiel für den Angeklagten?
Während die Anwälte versuchen, die Schuld ihres Mandanten in Zweifel zu ziehen, passiert auf Seiten des Lesers das genaue Gegenteil – die Zweifel an der Unschuld von Neuendorffs wachsen.
Und so liest man sich immer schneller von Seite zu Seite, nur um endlich bis zur Urteilsverkündung vorzudringen und dann ist sie da: die Urteilsverkündung. Und genau hier liegt für mich die Schwäche des Romans. Zunächst passiert, was man erwartet, aber die Urteilsverkündung ist ja noch nicht das Ende. Und genau dieses Ende wirkt auf mich etwas konstruiert. Ihr werdet beim Lesen schon merken, was ich meine. Das Ende selbst möchte ich hier nämlich lieber nicht verraten.

Fazit: Gutes Buch mit einem etwas schwachen Ende. Lesenswert ist es trotzdem – meine Grishams würde ich für diesen Roman aber nicht ins Altpapier geben.

Sonstige Infos:
Broschiert: 352 Seiten
Verlag: Grafit; Auflage: 2., Aufl. (Februar 2006)
ISBN-10: 3-89425-315-0
ISBN-13: 978-3-89425-315-8
Bibliothek-Link: Zug um Zug

P.S.: Und schon wieder ein Grafit-Roman, der mir gefallen hat. Bisher liegt die Quote von lesenswerten Büchern dieses Verlags aus meiner Sicht also noch bei 100%. Respekt. Mal sehen, ob sich in den nächsten Wochen was daran ändert – ich hab ja noch ein paar ungelesene Grafit-Romane im Regal…



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