Von Onkel Loco, 27. Februar 2007, 10:32 Uhr

Endlich stellt der WDR mit unseren Rundfunkgebühren mal was spannendes an: Poetry Slams!
Poetry Was? Na, Poetry Slams. Die Wikipedia beschreibt die Poetry Slams so:

Teil der Grundidee des Poetry Slams ist es, die Texte nicht nur zu lesen, sondern zu performen, also beispielsweise zu schreien, flüstern, jaulen und keuchen. Rhythmischer und auswendiger Vortrag kann den positiven Eindruck bei dazu geeigneten Texten fördern. Generell sollte den Texten das Leben eingehaucht werden, das ihnen bei traditionellen Lesungen manchmal fehlt. Dabei muss der Gesamteindruck stimmig sein (Text und Performance sollten zueinander passen).

Inhaltlich wie auch formal gibt es keinerlei Vorgaben. Auf Slambühnen finden sich deshalb fast alle Formen moderner Literatur und Sprachkunst, von klassischer oder moderner Lyrik über Kabarett bzw Comedy bis zu Prosa bzw. Kurzgeschichten.

Die dargebotenen Texte sind oft (aber keinesfalls immer!) reine Bühnentexte, deren Wert sich in ausschließlich schriftlicher Form kaum erfassen ließe. Bei gedruckten Anthologien müssen die Herausgeber also teilweise nach anderen Kriterien auswählen als das Slampublikum. Literarische Qualität im üblichen Sinn ist grundsätzlich nur eine der möglichen Einflussgrößen des Erfolgs (aber jeder Fall ist ein Einzelfall).

Also kurz: Ein paar Autoren treten mit eigenen Texten, die sie auf einer Bühne performen gegeneinander an und das Publikum entscheidet, wer der Sieger des Wettstreits ist.
Und das ist Lustig. Wirklich und wahrhaftig. Die erste Folge lief am 26. Februar 07 um 0.00 Uhr. Falls ihr diesen Teil verpasst haben solltet, könnt ihr Euch die einzelnen Auftritte online beim WDR ansehen. Besonders ans Herz legen möchte ich Euch den Auftritt von Karsten »Grohacke« Hohage: Ballonfahrer Jean und Flieger-Horst. Wirklich eine hervorragende Leistung, wie ich finde.
Teil zwei der Mini-Serie läuft übrigens am Montag, 05. März 2007, 00.00-00.30 Uhr im WDR.

Viel Spaß!



Von Onkel Loco, 27. Februar 2007, 07:30 Uhr

Terry Pratchett - Strata»Die erste Reise zur Scheibenwelt
Kin Arad ist Planetengestalterin und wacht über den Bau neuer Welten. Dabei hat sie jede Menge Ärger mit ihren Mitarbeitern, die sich immer wieder alberne Scherze erlauben. Und dann taucht ein geheimnisvoller Fremder auf, der behauptet, eine flache Welt entdeckt zu haben, auf der Magier und Dämonen ihr Unwesen treiben. Kin Arad reist zu dem geheimnisvollen Planeten und macht eine unglaubliche Entdeckung …«

Bevor in Bälde weitere Rezensionen zu Romanen von Terry Pratchett folgen – und damit unweigerlich auch Rezensionen zu seinen berühmten Scheibenwelt-Romanen – beginne ich mal mit einem frühen Werk aus Pratchetts Feder: Strata.
Strata ist eigentlich kein Scheibenwelt-Roman, aber trotzdem der Erste der Reihe, denn in diesem Roman findet die Scheibenwelt ihre erste Erwähnung – hier wird die Scheibenwelt also geboren und hier findet sie ihren Platz im Universum.

Obwohl handwerklich schwächer als viele der folgenden Pratchett-Werke, besticht Strata doch mit der fast schon genialen Idee, mit der Pratchett sich in diesem Roman befasst:
Man stelle sich vor: In nicht allzu ferner Zukunft gibt es den Beruf des »Planetendesigners«. Diese »Planetendesigners« entwerfen und gestalten neue Planeten, welche alsbald von Menschen und Tieren bevölkert werden. Diese Gestaltertätigkeit beschränkt sich aber nicht nur auf die Oberfläche des Planeten, nein, dem Planeten wird auch gleich eine »Geschichte« mit auf den Weg gegeben. So werden zum Beispiel Fossilien platziert, welche von früherem Leben auf diesem neuen Planeten zeugen, welches es nie gegeben hat.
Dummerweise sind die »Planetengestalter« auch nur Menschen. Und weil dem so ist, erlauben sich die »Planetendesigner« immer wieder alberne Scherze wie Stiefel in einem Kohleflöz, oder ein Dinosaurierfossil mit einem Transparent mit der Aufschrift »Schluß mit den Atomtests«.
Als dann aber am Rande des Universums die Scheibenwelt entdeckt wird, stellt sich die alles entscheidende Frage: Wer hat sich mit dem Universum deisen Scherz erlaubt?

Fazit: Es gibt bessere Romane von Terry Pratchett und trotzdem ist Strata für jeden Fan der Scheibenwelt-Romane Pflichtlektüre.

Sonstige Infos:
Broschiert: 255 Seiten
Verlag: Piper; Auflage: 3 (Januar 2005)
ISBN-10: 3-492-28509-0
ISBN-13: 978-3-492-28509-4
Bibliothek-Link: Strata



Von Onkel Loco, 26. Februar 2007, 10:55 Uhr

Andreas Eschbach - Ausgebrannt

Andreas Eschbach – Ausgebrannt

Neu erschienen bei Lübbe am 20.02.2007
Gebundene Ausgabe: 752 Seiten
ISBN-10: 3785722745 | ISBN-13: 978-3785722749

Worum geht’s?

Stellen Sie sich vor, der Liter Superbenzin würde über 4 Euro kosten. Ein Albtraum? Ja. Bloß wäre es erst der Anfang. Denn das Ölzeitalter wird nicht erst mit dem letzten Barrel enden. Es endet, sobald mehr verbraucht wird, als gefördert werden kann. Und dieser Moment ist näher, als die meisten ahnen. Das Problem: Niemand hat einen Plan für die Zeit danach. Auch Markus Westermann weiß von all dem nichts, als er es endlich in die USA geschafft hat und mit seiner Karriere voll durchstarten will. Als er Karl Walter Block kennen lernt, sieht er seine Chance gekommen. Der alte Öltechniker behauptet, dass in den Tiefen der Erde noch genug Öl für die nächsten tausend Jahre schlummert – und dass nur er die Methode kennt, wie man es findet.

Das klingt sehr vielversprechend und ich hoffe, ich komme in absehbarer Zeit dazu, das Buch zu lesen. Apropos lesen: Hier gibt es eine Leseprobe als PDF.

83 Tonnen Bücher als Müll

Was passiert, wenn ein Kapuzinerorden einer katholischen Universität 420.000 Bücher überlässt, lest ihr bei der FAZ

Lothar-Günther Buchheim gestorben

Der Schriftsteller und Kunstsammler Lothar-Günther Buchheim starb am 22. Februar 2007. Sein bekanntestes Werk war wohl »Das Boot«, welches 1981 von Wolfgang-Petersen verfilmt wurde. Mehr…

Direktor der Leipziger Buchmesse im Gespräch

Die ganze Welt der Literatur, die große und die kleine, wird im Frühling in Leipzig gebührend gefeiert. Rund 1.900 Veranstaltungen mit mehr als 1.500 Mitwirkenden von Aitmatow über Begley bis Walser werden an 300 Orten geboten. Doch es geht nicht um neue Rekorde, sagt Buchmesse-Direktor Oliver Zille im Gespräch über die Themen und Trends 2007.

mehr beim mdr

Audible.de

Von Onkel Loco, 22. Februar 2007, 16:27 Uhr

Jürgen Kehrer: Wilsberg und die dritte Generation»Felizia Sanddorn, eine Journalistin, die ein Buch über die dritte Generation der RAF schreiben will, verschwindet spurlos. Ihr Vater wendet sich an Georg Wilsberg und beauftragt den Privatdetektiv, sie zu suchen. Ein Hinweis führt nach New York. Dort trifft Wilsberg eine ehemalige Terroristin, die Wilsbergs Auftraggeber besser kennt, als dieser es wahrhaben will. Recherchiert Felizia in Wirklichkeit die Geschichte ihres Vaters? Und was für eine Geschichte ist das: War der Vater ein überzeugtes RAF-Mitglied oder ein Agent des Verfassungsschutzes?
Bevor Wilsberg die Wahrheit herausfinden kann, bekommt sein Auftraggeber eine Kugel in den Kopf. Und der münstersche Privatdetektiv soll den Sündenbock abgeben.
Im Deutschen Winter wird Wilsberg klar, dass nicht nur die RAF, sondern auch ihre Jäger Leichen im Keller vergraben haben. Und dass er sich gewaltig anstrengen muss, um mit heiler Haut aus der Geschichte herauszukommen.«

Wie jetzt? Schon wieder ein Kehrer? Aber sicher! Nachdem sich »Der Schapdetten-Virus« so schnell und zügig gelesen hat und mir noch einer in die Hände gefallen ist, konnte ich nicht anders, als diesen Krimi hier direkt auch noch zu lesen.
Und ich habe es nicht bereut. Im Vergleich zum Vorigen ist hier nämlich schon etwas mehr los und »Wilsberg und die dritte Generation« ist wirklich richtig spannend. Das fängt schon bei der Themenwahl an: was ist eigentlich aus der RAF geworden? Gibt es die tatsächlich nicht mehr? Und was ist mit den damaligen Gegenspielern der RAF, dem Verfassungsschutz?
Routiniert entführt Kehrer seinen Leser immer tiefer in den deutschen Spionage-Dschungel und gibt dem Entführten keine Gelegenheit, das Buch auch nur für eine Minute aus der Hand zu legen. Dementsprechend habe ich das Buch auch am Stück durchgelesen.

Sonstige Infos:
Broschiert: 205 Seiten
Verlag: Grafit; Auflage: 1 (Oktober 2006)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3-89425-327-4
ISBN-13: 978-389425-327-1
Bibliothek-Link: Wilsberg und die dritte Generation

P.S.: Als nächstes schnappe ich mir direkt wieder einen Krimi vom Grafit-Verlag. Ich bin gespannt, ob die auch was im Sortiment haben, was mir nicht gefällt ;-)



Von Onkel Loco, 20. Februar 2007, 11:45 Uhr

Das Schapdetten-Virus«Georg Wilsberg und sein Kollege Koslowski sollen Affen bewachen, die für medizinische Experimente bestimmt sind. Aus dem scheinbaren Routinejob erwächst eine Bedrohung, denn militante Veganer wollen die Tiere um jeden Preis vor dem Tod im Labor bewahren. Eine Katastrophe bahnt sich an…»
Kaum zu glauben, daß dieser Roman schon zehn Jahre auf dem Buckel hat. Er wirkt immernoch sehr aktuell – oder besser gesagt, er wirkt wieder aktuell. Es geht hier nämlich nicht bloß um die Themen Tierschutz und Tierversuche – vielmehr bezieht der Roman seine Spannung aus der Frage, ob die entführten Affen denn nun vom Schapdetten-Virus infiziert sind und ob dieser auf den Menschen übertragbar ist.

Insgesamt bietet Jürgen Kehrer hier solide Krimikost, die sich schnell und unkompliziert liest – was nicht zuletzt auch daran liest, daß Kehrer den gesamten Roman auf nur 157 Seiten unterbringt. Nichtsdestotrotz ist »Das Schapdetten-Virus« ein rundum gelungenes, kleines Buch, das in einer einigermaßen vollständigen Krimisammlung nicht fehlen sollte. Hat Spaß gemacht.

Sonstige Infos
Broschiert: 157 Seiten
Verlag: Grafit (Oktober 1997)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3-89425-205-7
ISBN-13: 978-3-89425-205-2
Bibliothek-Link: Das Schapdetten-Virus



Von Onkel Loco, 28. Januar 2007, 14:33 Uhr

Nordermoor»Was zunächst aussieht wie ein typisch isländischer Mord, schäbig, sinnlos und schlampig ausgeführt, erweist sich als überaus schwieriger Fall. Wer ist der tote alte Mann in der Souterrainwohnung in Nordermoor, dessen Computer voller Hardcore-Pornos ist? Warum hinterlässt der Mörder eine Nachricht bei seinem Opfer, die niemand versteht? Das sind nur einige der Fragen, die sich Erlendur und sein Kollege Sigurður von der Kriminalpolizei in Reykjavik stellen müssen.«

Nordermoor ist anders, als andere Krimis. Nordermoor kommt irgendwie leiser daher – ohne wilde Verfolgungsjagden oder Ähnliches. Nordermoor hat das aber einfach auch nicht nötig. Zudem passte eine wilde Verbrecherjagd einfach nicht nach Island und zur Stimmung, die Arnaldur Indridason in diesem Roman zeichnet. Es ist Herbst auf Island, es regnet ohne Unterbrechung, die Stimmung ist gedrückt und das schlägt aufs Gemüt. In diese Szenerie passt Kommissar Erlendur wie die Faust aufs Auge – er ist einfach etwas kantig, zerknautscht und auch nicht mehr der jüngste.

Insgesamt ist Nordermoor ein düsterer, spannender und sehr tiefgründiger Krimi mit einer komplexen Geschichte, die fesselt. Nichts ist, wie es auf den ersten Blick erscheint. Dieser Roman ist genau richtig für verregnete Wintertage.

Sonstige Infos
Originaltitel: mýrin
Broschiert: 320 Seiten
Verlag: Lübbe
ISBN-10: 3-404-14857-6
ISBN-13: 978-3-404-14857-8
Bibliothek-Link: Nordermoor



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